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Zivilgeneratur

Wenn es eine Instanz gäbe, die das unvermeidliche Zyklische des Einzelnen in seiner sozialen Abhängigkeit bewältigte, dann würde ich sie Zivilgeneratur nennen. Die Tragik des Zivilen gegenüber dieser Autorität besteht darin, dass niemandem die machtvolle Aufgabe übertragen wurde. Sie ist einfach da. Wie die Natur über die Gesetze der Genesis verfügt, hat sie die Macht über die Gesetzmäßigkeiten der zivilen Evolution. Und zu fragen bleibt, ob der Einzelne irgendeinen Anteil am Generierungsprozess der zivilen Anstalt hat. Wir können keine Anträge stellen, keine Beschwerden einreichen.

Das Phänomen des Zyklischen wird für den Einzelnen spürbar, wenn er auf Unvermeidliches trifft, das er zum Leben seiner Vorfahren rechnete, das seine Wurzeln in menschengedenkenden Urzeiten hat und durch die Jahrtausende wiederkehrt. Gewalt, Fortschritt, Krieg, Frieden, Hunger, Wohlstand und so weiter beschreiben den ewig gleichen Vorgang. Grundsätzlich wurzelt die Idee des Kreisläufigen in den Regeln der Natur, die sich auf den gesamten zivilisatorischen Entwicklungsprozess übertragen hat.

Ein Kreislauf schafft Stabilität durch Balance. Durch die Sprache setzt Wiederkehrendes dauerhafte Anhaltspunkte im Gedächtnis, um die herum allmählich Inhaltsgebäude entstehen. Derart bauen sich kehrreimartig semantische Etagen auf- und umeinander, die sich mit jedem vollendeten Zyklus verändern, irgendwann erudieren und schließlich zusammenstürzen, um auf’s Neue entstehen zu können.

Deutlich wird hier das Ineinandergreifen verschiedener Zyklen. Generation hat eine polyzentrale Struktur: Jeder Kreislauf ist bedingt durch mindestens einen weiteren, der sich durch den entstandenen Zyklus zieht, während dieser wieder einen nächsten Kreislauf evolutionär antreibt. Das Weiterbestehen dieses unaufhaltsamen generativen Prozesses auf singulärer und pluraler Ebene des Zivillebens ist Auftrag der Zivilgeneratur.

Die Arbeiten der Künstler, Autoren, Philosophen (siehe Links) zeigen mit Hilfe der Sprache mögliche Zugänge zu und Mechanismen dieser generatorischen, generativen und generalisierenden Instanz.

Emma Braslavsky (2004)

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