Schriftwort

Zivilgeneratur (20 m langes und 2,25 m hohes Wort aus Metallbuchstaben)

Hüseyin Arda: Zivilgeneratur (20 m langes und 2,25 m hohes Wort aus Metallbuchstaben)

Schreiben ist nach der platonischen Idee mit dem Vergessen verbunden. Wir schreiben Dinge auf, weil wir unserem Gedächtnis nicht vertrauen. Oder besser: Es ist uns nicht genug, weil wir es für die nächsten Generationen aufbewahren wollen. Das mündliche Tradieren von Informationen hatte durch eine kontext- und zeitbezogene Übermittlung immer eine Anpassung an die nächste Generation zur Folge. Am Beginn des Schrifttums wurden nur wichtige Informationen aufgeschrieben und bekamen dadurch ewigen Gültigkeitswert. Das geschriebene Wort war existenzstiftend.

Arda übersetzt die alte schriftliche Tradition in die Zeit der temporären Digitalwörter. Er schreibt Begriffe in einer stählernen Monumentalität und stellt sie im öffentlichen Raum unübersehbar zur Beschau. Auf diese Weise verhilft er diesen Wörtern, Gewichtigkeit in ihrer Bedeutung zurückzufinden.

Der ungeprüfte Neologismus Zivilgeneratur wird dadurch nicht nur bedeutungsvoll, sondern auch existent. In seinem kolossalen Schriftzug ist er ja nun nicht mehr zu leugnen. Seine Abschaffung bedarf jetzt eingehender linguistischer und dekonstruktiver Beschäftigung.

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