Das Meiste auf dieser Welt hat eine zyklische Natur. Das ist mehr oder weniger eine wissenschaftliche Tatsache. Ausgenommen davon sei die Wiederherstellung der Materie nach ihrem Zerfall. Die Zivilisationsgeschichte, und im Besonderen die Geistesgeschichte, hält sich hier sehr stark an die Gesetze der Natur. Wohl eher unbewusst, denn der Mensch strebt ja sonst nach Linearität, nach Progressivität.
Lewin entwickelt aus den bedeutungsschweren Begriffen der Menschheit eine rotierende Wortkette. Jedes Papier ist beidseitig beschrieben. Sie befestigt die Wörter nebeneinander mit Abständen, so dass zwischen ihnen die rückseitigen Begriffe der anderen Seite lesbar auf- und abtauchen.
Durch das Beschreiben des Papiers werden die Wortmonumente sinnbildliche Opfer der Lethe. Verschriftlicht tauchen sie von Generation zu Generation aus dem Unbewussten, kollektiv festgehalten, aber nicht verstanden. Lewin zwingt uns durch neuartige Zwischenwortverbindungen zum Assoziationsstrom. Diese Interwörter sollen unaufgeschrieben verinnerlicht werden. Und: Lewin fordert Wortbekenntnisse. Die digitale Version geht sogar so weit, dass jeder Besucher eine eigene Wortkette schöpfen kann. Ein imperativ auf eine kollektive Erkenntnisarbeit. Diese bereits angesprochene, uralte zivilisatorische Hoffnung (Präludium interrogativ) könnte dem bedeutungsschwangeren Teufelskreis vielleicht ein Ende setzen.
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