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	<title>Kommentare zu papirossa</title>
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	<description>netzwerk fuer sprache</description>
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		<title>Kommentare von maike juraschka zu Präludium Interrogativ</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/praludium-interrogativ/#comment-54</link>
		<dc:creator>maike juraschka</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 20:30:54 +0000</pubDate>
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		<description>I have a question. Did you ever publish your book about the people loosing their tails and the mingleling of the hot and cold river? I would love to read it. remembering you in the peace tent at tacheles and later that night.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>I have a question. Did you ever publish your book about the people loosing their tails and the mingleling of the hot and cold river? I would love to read it. remembering you in the peace tent at tacheles and later that night.</p>
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		<title>Kommentare von Georg Mertin zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-21</link>
		<dc:creator>Georg Mertin</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 17:44:38 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-21</guid>
		<description>Das Badezimmer
Von allen möglichen Räumen ist das Badezimmer wahrscheinlich das intimste der Innenräume, in seiner Wesensart intimer als das Schlafzimmer und doch zugleich der Raum, der am meisten Verbindung zur Außenwelt schafft - ein Vorbereitungsraum für das Erscheinungsbild in der Außenwelt. Du schläfst drinnen, kochst drinnen und isst drinnen, und nichts davon wird nach außen getragen. Das Badezimmer, die Toilette ist ein Rückzugsort, der das Notdürftigste des Menschseins gestattet - ein geschützter Raum, ein Schutzraum, der den intimen Blick auf ein mögliches Selbstbild erlaubt, ein Spiegelraum und somit potentiell auch ein Korrekturraum: Schminke, Parfums und Deodorants werden aufgetragen, Körper gepflegt, gepudert und in Form gebracht. Das Badezimmer, ein Hermaphrodit, welcher Grundbedürfnissen und Eitelkeiten gleichermaßen dient.
Soweit, das Allgemeine. Hier, im Herzen von Paris, in einem der Appartements im dritten Arrondissement in einem Wohngebäude in einer der kleineren Nebenstraßen, auf der 4 1/2. Etage, findet sich nun unser Badezimmer; eigentlich nur ein baulicher Einschub in einen großen schlauchartigen Raum, der Wohnzimmer, Küche und eine Art Ankleide- und Vorratskammer voneinander trennt. Diese Box, die das Badezimmer bildet, besteht auf  einer Seite aus einer leichten Holzkonstruktion mit japanischen Papierwänden, einer baugleichen Tür in der Seitenwand und einer Art eingemauertem Bullauge auf der Gegenseite, welches, eigentümlich in seiner Form und Funktion, die typische autark-milchige Geschlossenheit von Badezimmern aufhebt und ebenfalls in seinem Stil japanisch anmutet. So haben meine australische Partnerin und ich den Raum und das Badezimmer vorgefunden, als wir es von dem französischen Eigentümer anmieteten. Der wiederum vermietete das Appartement, da er mit seiner japanischen Freundin für ein Jahr nach Japan übersiedelte - der Wohnraum ist somit zugleich auch Symbol und Versatzstück zeitgenössischer, wenn man so möchte, globalisierter Lebensauffassung.
In seiner Funktion dient auch dieses Badezimmer den immer gleichen Zwecken, in seiner Entstehung und Nutzung erzählt es eine eigene Geschichte, steht für eine Internationalisierung des Geschmacks, eine Auflösung der Wohnkonvention innerhalb bestimmter Kulturräume, und verweist in seinem Innersten dann doch auf die Notwendigkeit, einem Funktionsanspruch zu genügen: Isoliertheit, Luft- und Lichteinfall und effiziente Nutzung des Gesamtraumes, im Kern - Waschraum, Bedürfnisraum, Pflegeraum: Intimitätszone.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Das Badezimmer<br />
Von allen möglichen Räumen ist das Badezimmer wahrscheinlich das intimste der Innenräume, in seiner Wesensart intimer als das Schlafzimmer und doch zugleich der Raum, der am meisten Verbindung zur Außenwelt schafft &#8211; ein Vorbereitungsraum für das Erscheinungsbild in der Außenwelt. Du schläfst drinnen, kochst drinnen und isst drinnen, und nichts davon wird nach außen getragen. Das Badezimmer, die Toilette ist ein Rückzugsort, der das Notdürftigste des Menschseins gestattet &#8211; ein geschützter Raum, ein Schutzraum, der den intimen Blick auf ein mögliches Selbstbild erlaubt, ein Spiegelraum und somit potentiell auch ein Korrekturraum: Schminke, Parfums und Deodorants werden aufgetragen, Körper gepflegt, gepudert und in Form gebracht. Das Badezimmer, ein Hermaphrodit, welcher Grundbedürfnissen und Eitelkeiten gleichermaßen dient.<br />
Soweit, das Allgemeine. Hier, im Herzen von Paris, in einem der Appartements im dritten Arrondissement in einem Wohngebäude in einer der kleineren Nebenstraßen, auf der 4 1/2. Etage, findet sich nun unser Badezimmer; eigentlich nur ein baulicher Einschub in einen großen schlauchartigen Raum, der Wohnzimmer, Küche und eine Art Ankleide- und Vorratskammer voneinander trennt. Diese Box, die das Badezimmer bildet, besteht auf  einer Seite aus einer leichten Holzkonstruktion mit japanischen Papierwänden, einer baugleichen Tür in der Seitenwand und einer Art eingemauertem Bullauge auf der Gegenseite, welches, eigentümlich in seiner Form und Funktion, die typische autark-milchige Geschlossenheit von Badezimmern aufhebt und ebenfalls in seinem Stil japanisch anmutet. So haben meine australische Partnerin und ich den Raum und das Badezimmer vorgefunden, als wir es von dem französischen Eigentümer anmieteten. Der wiederum vermietete das Appartement, da er mit seiner japanischen Freundin für ein Jahr nach Japan übersiedelte &#8211; der Wohnraum ist somit zugleich auch Symbol und Versatzstück zeitgenössischer, wenn man so möchte, globalisierter Lebensauffassung.<br />
In seiner Funktion dient auch dieses Badezimmer den immer gleichen Zwecken, in seiner Entstehung und Nutzung erzählt es eine eigene Geschichte, steht für eine Internationalisierung des Geschmacks, eine Auflösung der Wohnkonvention innerhalb bestimmter Kulturräume, und verweist in seinem Innersten dann doch auf die Notwendigkeit, einem Funktionsanspruch zu genügen: Isoliertheit, Luft- und Lichteinfall und effiziente Nutzung des Gesamtraumes, im Kern &#8211; Waschraum, Bedürfnisraum, Pflegeraum: Intimitätszone.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Michael Schoenholtz zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-20</link>
		<dc:creator>Michael Schoenholtz</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 17:13:19 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-20</guid>
		<description>Meine Erinnerung an einzelne Möbel sind nicht so stark. Mein Vater war Musiker und meine Mutter Germanistin. Es gab also bei uns viele Bücher und Bücherschränke. Dann gab es natürlich ein Klavier. Die Bücherschränke und das Klavier sind die Dinge, an die ich mich am klarsten erinnere. 
Die Bücher spielen bei uns immer noch eine große Rolle und die Musik natürlich auch. Weitere Details sind mir gar nicht mehr so gegenwärtig.  
Zumindest spielen diese Dinge in der Wohnung, in der wir jetzt leben, keine Rolle. 
Als wir uns in Berlin zusammentaten, haben wir in einem möblierten Zimmer angefangen. Daran kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Es war irgendwie zusammengewürfeltes Zeug. Kurz danach haben wir immer nur in Atelierwohnungen gelebt. Das tun wir auch heute noch. 
Der zentrale Raum der Wohnung ist das Atelier meiner Frau und dann gibt&#039;s ringsum ein paar Räume. Die jetzige Wohnung ist schon die dritte Atelierwohnung. Die sind immer gleich geartet.
Insofern ist von dem, was ich von zu Hause mitbekommen habe, gar nichts eingeflossen, weil die Situation eine ganz andere ist.

Meine Frau und ich hatten nichts gegen die Art Interieur unserer Eltern.
Wir haben nicht gesagt, so wollen wir es nicht mehr haben oder wollen es ganz anders haben. Das hat sich nicht aus Protest gegen das was vorher war ergeben, sondern einfach notgedrungen. 
Und das Merkwürdige ist, dass unsere Tochter, die nun in England lebt, zusammen mit ihrem Mann ein Atelierhaus hat. Da haben wir festgestellt, dass sie manches von uns übernommen hat, nicht weil es auch ein Atelierhaus ist, sondern auch in der Einrichtung: Sie tut so, als ob es ihre eigene Erfindung wäre... Aber wir sehen ganz genau die Parallelen. Ob das bewusst ist oder nicht, das wissen wir nicht.

Irgendwie eine Prägung ist sicher geblieben. Es geht gar nicht. Selbst wenn man sagt, man macht alles ganz anders, dann ist man doch abhängig, weil man sie als Gegensatz braucht.

Ich brauche kein Licht: die Skulptur ist auch in tiefster Dunkelheit vorhanden. Sie können sie ertasten, das können Sie bei einem Bild nicht. Für das Bild brauchen sie das Licht, aber für die Skulptur nicht. Ich habe vor ein paar Jahren an einer Ausstellung für Blinde und Sehgeschädigte im Museum in Hannover teilgenommen. Da sind Blinde durch die Ausstellung geleitet worden und hinterher haben sie die Skulpturen beschrieben. Diese Beschreibungen waren so präzis und so exakt. Das hätte ein Sehender nicht besser machen können.
Das Licht, in diesem Fall, diese Glühbirne, hat natürlich u.a. die Bedeutung, sichtbar zu machen: das ist schon richtig, aber eigentlich hat sie proportional mit dieser Arbeit überhaupt nichts zu tun: sie ist viel zu groß. Und mit diesen unterschiedlichen, falschen Proportionen arbeite ich auch in der Plastik selbst. Deswegen ist diese Glühbirne eigentlich der nächste Berührungspunkt mit dem Raum und der Gegensatz, auch zwischen dieser viel zu großen Glühbirne und der Skulptur darunter. Darum geht es mir. Das ganze ist kein Modell, das man sich in groß vorstellen könnte, sondern es soll so sein wie es ist, man soll es nicht körperlich, sondern nur in der Vorstellung begehen.

Meine Skulpturen sind dreidimensional: umgehbar, umschaubar, umgreifbar. Und hier ohne Wände. Man kann von allen Seiten eindringen. Es ist kein hermetischer Kasten... Ich will, dass der Besucher in jedem Fall erst mal um das ganze Ding herumgeht. Die Arbeit steht deswegen in der Mitte des Raums, so dass er nicht vorne und hinten unterscheiden kann.

Er ist eigentlich so einfach, dass man gerade noch sagen kann: Tisch, Stuhl, Chaiselongue, Hocker. Er ist ohne jedes Dekor... Er ist ganz simpel.

Er heißt... “Zimmer Frei“, d.h. niemand drin. Es ist kein besetzter Raum, das ist ein völlig offener Raum: ein gänzlich allgemeiner Raum, der gänzlich unindividuell ist. Das ist der einfachste Raum, den ich mir vorstellen kann.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Erinnerung an einzelne Möbel sind nicht so stark. Mein Vater war Musiker und meine Mutter Germanistin. Es gab also bei uns viele Bücher und Bücherschränke. Dann gab es natürlich ein Klavier. Die Bücherschränke und das Klavier sind die Dinge, an die ich mich am klarsten erinnere.<br />
Die Bücher spielen bei uns immer noch eine große Rolle und die Musik natürlich auch. Weitere Details sind mir gar nicht mehr so gegenwärtig.<br />
Zumindest spielen diese Dinge in der Wohnung, in der wir jetzt leben, keine Rolle.<br />
Als wir uns in Berlin zusammentaten, haben wir in einem möblierten Zimmer angefangen. Daran kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Es war irgendwie zusammengewürfeltes Zeug. Kurz danach haben wir immer nur in Atelierwohnungen gelebt. Das tun wir auch heute noch.<br />
Der zentrale Raum der Wohnung ist das Atelier meiner Frau und dann gibt&#8217;s ringsum ein paar Räume. Die jetzige Wohnung ist schon die dritte Atelierwohnung. Die sind immer gleich geartet.<br />
Insofern ist von dem, was ich von zu Hause mitbekommen habe, gar nichts eingeflossen, weil die Situation eine ganz andere ist.</p>
<p>Meine Frau und ich hatten nichts gegen die Art Interieur unserer Eltern.<br />
Wir haben nicht gesagt, so wollen wir es nicht mehr haben oder wollen es ganz anders haben. Das hat sich nicht aus Protest gegen das was vorher war ergeben, sondern einfach notgedrungen.<br />
Und das Merkwürdige ist, dass unsere Tochter, die nun in England lebt, zusammen mit ihrem Mann ein Atelierhaus hat. Da haben wir festgestellt, dass sie manches von uns übernommen hat, nicht weil es auch ein Atelierhaus ist, sondern auch in der Einrichtung: Sie tut so, als ob es ihre eigene Erfindung wäre&#8230; Aber wir sehen ganz genau die Parallelen. Ob das bewusst ist oder nicht, das wissen wir nicht.</p>
<p>Irgendwie eine Prägung ist sicher geblieben. Es geht gar nicht. Selbst wenn man sagt, man macht alles ganz anders, dann ist man doch abhängig, weil man sie als Gegensatz braucht.</p>
<p>Ich brauche kein Licht: die Skulptur ist auch in tiefster Dunkelheit vorhanden. Sie können sie ertasten, das können Sie bei einem Bild nicht. Für das Bild brauchen sie das Licht, aber für die Skulptur nicht. Ich habe vor ein paar Jahren an einer Ausstellung für Blinde und Sehgeschädigte im Museum in Hannover teilgenommen. Da sind Blinde durch die Ausstellung geleitet worden und hinterher haben sie die Skulpturen beschrieben. Diese Beschreibungen waren so präzis und so exakt. Das hätte ein Sehender nicht besser machen können.<br />
Das Licht, in diesem Fall, diese Glühbirne, hat natürlich u.a. die Bedeutung, sichtbar zu machen: das ist schon richtig, aber eigentlich hat sie proportional mit dieser Arbeit überhaupt nichts zu tun: sie ist viel zu groß. Und mit diesen unterschiedlichen, falschen Proportionen arbeite ich auch in der Plastik selbst. Deswegen ist diese Glühbirne eigentlich der nächste Berührungspunkt mit dem Raum und der Gegensatz, auch zwischen dieser viel zu großen Glühbirne und der Skulptur darunter. Darum geht es mir. Das ganze ist kein Modell, das man sich in groß vorstellen könnte, sondern es soll so sein wie es ist, man soll es nicht körperlich, sondern nur in der Vorstellung begehen.</p>
<p>Meine Skulpturen sind dreidimensional: umgehbar, umschaubar, umgreifbar. Und hier ohne Wände. Man kann von allen Seiten eindringen. Es ist kein hermetischer Kasten&#8230; Ich will, dass der Besucher in jedem Fall erst mal um das ganze Ding herumgeht. Die Arbeit steht deswegen in der Mitte des Raums, so dass er nicht vorne und hinten unterscheiden kann.</p>
<p>Er ist eigentlich so einfach, dass man gerade noch sagen kann: Tisch, Stuhl, Chaiselongue, Hocker. Er ist ohne jedes Dekor&#8230; Er ist ganz simpel.</p>
<p>Er heißt&#8230; “Zimmer Frei“, d.h. niemand drin. Es ist kein besetzter Raum, das ist ein völlig offener Raum: ein gänzlich allgemeiner Raum, der gänzlich unindividuell ist. Das ist der einfachste Raum, den ich mir vorstellen kann.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Jan Schlubach zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-19</link>
		<dc:creator>Jan Schlubach</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 17:07:52 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-19</guid>
		<description>Ich habe natürlich sehr viele Erinnerungen an die Häuser, in denen wir gewohnt haben.

In Hamburg, in einem großen Haus. Dann auf dem Lande, in Schleswig-Holstein an der Ostsee, es war ein großes altes Herrenhaus, da waren wir immer im Sommer. Und wir waren am Tegernsee in Bayern, in einem alten Bauernhaus.
Was ich in Erinnerung habe ... tja, viel natürlich. Das Haus, das ich am liebsten mochte, war dieses bayerische Bauernhaus. Es war klein, handlich und hatte menschlich-schöne Proportionen. Das Hamburger Haus hingegen war mir ein bisschen zu groß. Es war so eine große durchgehende Halle, mit drei Stockwerken und sehr vielen Gesellschaftsräumen. Die Familie war dadurch ein bisschen getrennt: die Kinder waren in einer Etage, die Eltern waren in einer anderen Etage, und in der unteren Etage waren die Gesellschaftsräume, also der Salon und der Speisesaal usw. Und dann war das Souterrain, in dem das Personal untergebracht war. Die Familie war also durch Etagen getrennt.

Es sind wahrscheinlich zwei Möbelstücke drin, die mir gehören. Das eine ist ein Hocker, ein ganz einfacher, der stammt ursprünglich aus dem Residenz-Theater in München... Ich besitze noch ein paar Kommoden,...und habe noch einige alte, aber sehr einfache Möbel aus dem Jahr 1810. 
Die schönsten Sachen, die schönsten Möbel wurden in dem Jahrhundert hergestellt. Und die bequemsten Möbel auch, die angenehmsten, wo man am besten sitzt... gute Sitzmöbel, die menschlichen Maßen gerecht werden, ...  Möbel, in denen man sich wohl fühlt.
Ich habe mich immer für Räume interessiert: Warum ist ein Raum angenehm? Warum fühle ich mich wohl da drin?
Es kann Räume geben, die sind mir zu heavy, zu schwer, die drücken mich. Ich muss durchatmen können. Und Goethe hatte so recht. Er sagte: ohne Ziererei und Überfluss. 
Ich brauche einen sehr einfachen Raum. Ich habe immer gesagt, das Ideale zum Leben wäre eine Mönchszelle ... eine Kartause.
Bei mir zu Hause bestehen die Wände hauptsächlich aus Büchern. Es gibt nicht viel Aufregendes drinnen, es gibt ein bisschen  Platz für Bilder ... Ansonsten, was brauche ich im Raum zum Leben? Was ist Wohnen überhaupt? Rumsitzen, stehen, essen, schlafen... Zum Schlafen brauche ich nicht so viel Platz, vielleicht 1x2 Meter.

Für die Ausstellung „I House You“ habe ich eine bestimmte historische Zeit, die Biedermeier-Zeit, ausgewählt. Weil sie einfach ist und schön. 
Allerdings werde ich auch ein bisschen mit ihr brechen. Ich werde etwas hinein tun, das nicht aus dieser Zeit ist. Es wird eine bekannte deutsche Tageszeitung von heute sein, die Süddeutsche oder die FAZ ... 
Mein Raum soll kein Museum sein, eher eine kleine Wohnung, sie lebt von den Menschen, die da drinnen leben, und diese Menschen leben heute.

Natürlich ist er inszeniert. 
Zum Beispiel, eine Sache ist drin. Ein Möbelstück. Aber eigentlich ist es gar kein Möbelstück, sondern ein Ofen aus Messing. Das Original stand ursprünglich in Max Reinhardts Büro im Deutschen Theater. Ich hatte ihn auf einer Abbildung gesehen und für eine Theaterinszenierung von Hugo von Hofmannstahl nachbauen lassen. Nun ist er im Besitz eines befreundeten Antiquitätenhändlers, von dem ich ihn mir zurückgeliehen habe. (Kurzfassung des Redakteurs).

Ich möchte mit Kerzen beleuchten; die Wände lasse ich grün malen, weil es eine ruhige Farbe ist, eine schöne Farbe. Sie erinnert ein bisschen an die Natur im Sommer... Die Möbel sind aus dunklem Holz.

Ja. Ich mag keine Inszenierungen von Räumen, wenn Leute sich über ihren Raum inszenieren müssen. ... Dann machen sie einfach zu viel. 
Ich habe mich mein ganzes Leben mit Räumen beschäftigt. Räume zu bauen, Räume, in denen man lebt oder vorgibt zu leben... Räume fürs Theater. Aber theoretisch müssen sie so stimmen, dass man sagt, sie können gar nicht anders sein. Sie müssen so genau sein, dass man sie eigentlich nicht bemerkt. Für mich ist das unsichtbare Bühnenbild das beste.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe natürlich sehr viele Erinnerungen an die Häuser, in denen wir gewohnt haben.</p>
<p>In Hamburg, in einem großen Haus. Dann auf dem Lande, in Schleswig-Holstein an der Ostsee, es war ein großes altes Herrenhaus, da waren wir immer im Sommer. Und wir waren am Tegernsee in Bayern, in einem alten Bauernhaus.<br />
Was ich in Erinnerung habe &#8230; tja, viel natürlich. Das Haus, das ich am liebsten mochte, war dieses bayerische Bauernhaus. Es war klein, handlich und hatte menschlich-schöne Proportionen. Das Hamburger Haus hingegen war mir ein bisschen zu groß. Es war so eine große durchgehende Halle, mit drei Stockwerken und sehr vielen Gesellschaftsräumen. Die Familie war dadurch ein bisschen getrennt: die Kinder waren in einer Etage, die Eltern waren in einer anderen Etage, und in der unteren Etage waren die Gesellschaftsräume, also der Salon und der Speisesaal usw. Und dann war das Souterrain, in dem das Personal untergebracht war. Die Familie war also durch Etagen getrennt.</p>
<p>Es sind wahrscheinlich zwei Möbelstücke drin, die mir gehören. Das eine ist ein Hocker, ein ganz einfacher, der stammt ursprünglich aus dem Residenz-Theater in München&#8230; Ich besitze noch ein paar Kommoden,&#8230;und habe noch einige alte, aber sehr einfache Möbel aus dem Jahr 1810.<br />
Die schönsten Sachen, die schönsten Möbel wurden in dem Jahrhundert hergestellt. Und die bequemsten Möbel auch, die angenehmsten, wo man am besten sitzt&#8230; gute Sitzmöbel, die menschlichen Maßen gerecht werden, &#8230;  Möbel, in denen man sich wohl fühlt.<br />
Ich habe mich immer für Räume interessiert: Warum ist ein Raum angenehm? Warum fühle ich mich wohl da drin?<br />
Es kann Räume geben, die sind mir zu heavy, zu schwer, die drücken mich. Ich muss durchatmen können. Und Goethe hatte so recht. Er sagte: ohne Ziererei und Überfluss.<br />
Ich brauche einen sehr einfachen Raum. Ich habe immer gesagt, das Ideale zum Leben wäre eine Mönchszelle &#8230; eine Kartause.<br />
Bei mir zu Hause bestehen die Wände hauptsächlich aus Büchern. Es gibt nicht viel Aufregendes drinnen, es gibt ein bisschen  Platz für Bilder &#8230; Ansonsten, was brauche ich im Raum zum Leben? Was ist Wohnen überhaupt? Rumsitzen, stehen, essen, schlafen&#8230; Zum Schlafen brauche ich nicht so viel Platz, vielleicht 1&#215;2 Meter.</p>
<p>Für die Ausstellung „I House You“ habe ich eine bestimmte historische Zeit, die Biedermeier-Zeit, ausgewählt. Weil sie einfach ist und schön.<br />
Allerdings werde ich auch ein bisschen mit ihr brechen. Ich werde etwas hinein tun, das nicht aus dieser Zeit ist. Es wird eine bekannte deutsche Tageszeitung von heute sein, die Süddeutsche oder die FAZ &#8230;<br />
Mein Raum soll kein Museum sein, eher eine kleine Wohnung, sie lebt von den Menschen, die da drinnen leben, und diese Menschen leben heute.</p>
<p>Natürlich ist er inszeniert.<br />
Zum Beispiel, eine Sache ist drin. Ein Möbelstück. Aber eigentlich ist es gar kein Möbelstück, sondern ein Ofen aus Messing. Das Original stand ursprünglich in Max Reinhardts Büro im Deutschen Theater. Ich hatte ihn auf einer Abbildung gesehen und für eine Theaterinszenierung von Hugo von Hofmannstahl nachbauen lassen. Nun ist er im Besitz eines befreundeten Antiquitätenhändlers, von dem ich ihn mir zurückgeliehen habe. (Kurzfassung des Redakteurs).</p>
<p>Ich möchte mit Kerzen beleuchten; die Wände lasse ich grün malen, weil es eine ruhige Farbe ist, eine schöne Farbe. Sie erinnert ein bisschen an die Natur im Sommer&#8230; Die Möbel sind aus dunklem Holz.</p>
<p>Ja. Ich mag keine Inszenierungen von Räumen, wenn Leute sich über ihren Raum inszenieren müssen. &#8230; Dann machen sie einfach zu viel.<br />
Ich habe mich mein ganzes Leben mit Räumen beschäftigt. Räume zu bauen, Räume, in denen man lebt oder vorgibt zu leben&#8230; Räume fürs Theater. Aber theoretisch müssen sie so stimmen, dass man sagt, sie können gar nicht anders sein. Sie müssen so genau sein, dass man sie eigentlich nicht bemerkt. Für mich ist das unsichtbare Bühnenbild das beste.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Anabela Macieira zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-18</link>
		<dc:creator>Anabela Macieira</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 17:02:32 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-18</guid>
		<description>Wir lebten bis zu meinem 3. Lebensjahr in einer Vorstadt von Porto, Portugal, und ich erinnere mich genau an unseren Garten. Ich erinnere mich an das Gefühl glücklich zu sein…

Als ich 3 1/2 Jahre alt war, zogen meine Eltern mit uns Kindern nach Deutschland. Alles war anders, viel kleiner, enger, dunkler. Wir wohnten im Dachgeschoss eines kleinen Hauses in Salzderhelden (ein Dorf in Niedersachsen). Es gab keinen Garten, nur einen Hof. Das Gefühl, dass ich bekomme, wenn ich an diese Zeit denke, ist Einsamkeit und Trauer. Ich habe das dunkle kleine Wohnzimmer vor Augen und einen in einer Ecke stehenden alten Sessel. Meine Mutter erzählte mir später, dass ich mich nach dem Aufstehen im Schlafanzug in diesen Sessel setzte und apathisch in den Raum blickte – stundenlang. Das erste halbe Jahr in Deutschland verbrachte ich täglich in diesem Sessel. Irgendwann hatte ich mich an mein neues Zuhause gewöhnt…

Dieselbe Wohnung, dasselbe Wohnzimmer - Jahre später: ... in diesen Erinnerungen wirkt das Wohnzimmer viel heller, viel größer – auch das Sofa ist nun nicht mehr so alt….

Meine Mutter liebte es, ihre kleine Welt ständig neu zu gestalten… Sobald mein Vater aus dem Haus ging, begann sie Möbel zu verrücken. Wenn sie sich etwas vom Haushaltsgeld abgespart hatte, dann investierte sie es in Farbe, Tapete oder Stoff für Vorhänge, Deckchen und Kissen. 
Die alte Nähmaschine, die wir für 50,00 DM von unserem Nachbarn gekauft hatten, ist durch all meine Wohnungen mitgegangen und steht heute hier in meinem Ausstellungsraum. 

Mit 17 zog ich aus – alles war plötzlich zu eng. Ich brauchte eigenen Raum! In meinem Ausstellungsraum finden Sie Bilder aus dieser Zeit. Die anderen Bilder, die Sie sehen, sind Darstellungen weiterer Wohnungen bis zu meiner Wohnsituation heute. Mein Leben besteht heute aus  2 Konstanten: Meiner Familie und der Veränderung.

Als Architektin habe ich mich intensiv mit dem Thema „Raumindividualität“ beschäftigt und bin über diese Analysen zum Feng Shui-Studium gekommen. Mittlerweile gibt es für mich keine Architektur ohne Feng Shui – keine Landschaft ohne Feng Shui - keinen Raum ohne Feng Shui. Alles um mich herum wird, ob beabsichtigt oder nicht, nach Feng Shui-Gesichtspunkten „abgeklopft“.  Selbst Sparziergänge, besuchte Wohnungen, Geschäfte provozieren in mir immer wieder die Bewertung: Gutes Feng Shui? Oder schlechtes Feng Shui? Warum fühle ich mich wohl in diesem Raum? Warum funktioniert dieses Geschäft? Habe ich die Feng Shui Gesichtspunkte aufgezählt, finde ich jeweils die Erklärung auf diese Fragen. 
Natürlich konnte auch meine Installation nicht ohne Feng Shui entstehen.
Ich habe versucht, den Energiefluss im Raum darzustellen. Über die Farben und Materialien erkennen Sie Zuordnungen der 5 Elemente und deren Zuordnung zu den Lebensbereichen. Über die Symbole, Fotos, Skulpturen etc. erfahren Sie mehr über mein persönliches Feng Shui. Ich entblöße mich sozusagen Ihnen gegenüber indem ich mein Innerstes nach außen kehre. Sie finden meinen personifizierten Raum.

Dadurch, dass bei einem Feng Shui-Raumkonzept der Mensch im Vordergrund steht, ist jeder Raum – ob privat oder geschäftlich - immer individueller als ein Raum, der ohne Feng Shui entsteht, weil er seinen Bewohner reflektiert. Natürlich darf man unter Feng Shui nicht das hängen von Klangspielen oder Kristallen in dafür benannte Ecken verstehen. Es geht um die Analyse der Person und um die Anwendung der für diese Person förderlichen Formen, Farben und Materialien. Die Quintessenz aller Erfahrungen ist wohl: Gute Architektur impliziert immer gutes Feng Shui! 
Wenn ein Architekt auf die Bedürfnisse des Menschen eingeht und die Fähigkeit besitzt, den Ort mit seinen Energien zu erspüren und wahrzunehmen, so wird es ihm auch gelingen, einen „Raum“ zu schaffen, in dem der Mensch sich regenerativ entwickeln kann. Kennen wir nicht alle so genannte repräsentative Gebäudehüllen in denen der Mensch keine Rolle zu spielen scheint? Stahltürme, Glaskästen hoch technisiert? Verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich verehre und bewundere meine „großen“ Kollegen. Nur, manchmal fehlt mir der Mensch im Kunstwerk. Dabei wäre die Verbindung Mensch und Kunstwerk anhand von Feng Shui-Maßnahmen leicht herzustellen. Ich betrachte Feng Shui als wichtiges zusätzliches Regelwerk für die Architektur.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wir lebten bis zu meinem 3. Lebensjahr in einer Vorstadt von Porto, Portugal, und ich erinnere mich genau an unseren Garten. Ich erinnere mich an das Gefühl glücklich zu sein…</p>
<p>Als ich 3 1/2 Jahre alt war, zogen meine Eltern mit uns Kindern nach Deutschland. Alles war anders, viel kleiner, enger, dunkler. Wir wohnten im Dachgeschoss eines kleinen Hauses in Salzderhelden (ein Dorf in Niedersachsen). Es gab keinen Garten, nur einen Hof. Das Gefühl, dass ich bekomme, wenn ich an diese Zeit denke, ist Einsamkeit und Trauer. Ich habe das dunkle kleine Wohnzimmer vor Augen und einen in einer Ecke stehenden alten Sessel. Meine Mutter erzählte mir später, dass ich mich nach dem Aufstehen im Schlafanzug in diesen Sessel setzte und apathisch in den Raum blickte – stundenlang. Das erste halbe Jahr in Deutschland verbrachte ich täglich in diesem Sessel. Irgendwann hatte ich mich an mein neues Zuhause gewöhnt…</p>
<p>Dieselbe Wohnung, dasselbe Wohnzimmer &#8211; Jahre später: &#8230; in diesen Erinnerungen wirkt das Wohnzimmer viel heller, viel größer – auch das Sofa ist nun nicht mehr so alt….</p>
<p>Meine Mutter liebte es, ihre kleine Welt ständig neu zu gestalten… Sobald mein Vater aus dem Haus ging, begann sie Möbel zu verrücken. Wenn sie sich etwas vom Haushaltsgeld abgespart hatte, dann investierte sie es in Farbe, Tapete oder Stoff für Vorhänge, Deckchen und Kissen.<br />
Die alte Nähmaschine, die wir für 50,00 DM von unserem Nachbarn gekauft hatten, ist durch all meine Wohnungen mitgegangen und steht heute hier in meinem Ausstellungsraum. </p>
<p>Mit 17 zog ich aus – alles war plötzlich zu eng. Ich brauchte eigenen Raum! In meinem Ausstellungsraum finden Sie Bilder aus dieser Zeit. Die anderen Bilder, die Sie sehen, sind Darstellungen weiterer Wohnungen bis zu meiner Wohnsituation heute. Mein Leben besteht heute aus  2 Konstanten: Meiner Familie und der Veränderung.</p>
<p>Als Architektin habe ich mich intensiv mit dem Thema „Raumindividualität“ beschäftigt und bin über diese Analysen zum Feng Shui-Studium gekommen. Mittlerweile gibt es für mich keine Architektur ohne Feng Shui – keine Landschaft ohne Feng Shui &#8211; keinen Raum ohne Feng Shui. Alles um mich herum wird, ob beabsichtigt oder nicht, nach Feng Shui-Gesichtspunkten „abgeklopft“.  Selbst Sparziergänge, besuchte Wohnungen, Geschäfte provozieren in mir immer wieder die Bewertung: Gutes Feng Shui? Oder schlechtes Feng Shui? Warum fühle ich mich wohl in diesem Raum? Warum funktioniert dieses Geschäft? Habe ich die Feng Shui Gesichtspunkte aufgezählt, finde ich jeweils die Erklärung auf diese Fragen.<br />
Natürlich konnte auch meine Installation nicht ohne Feng Shui entstehen.<br />
Ich habe versucht, den Energiefluss im Raum darzustellen. Über die Farben und Materialien erkennen Sie Zuordnungen der 5 Elemente und deren Zuordnung zu den Lebensbereichen. Über die Symbole, Fotos, Skulpturen etc. erfahren Sie mehr über mein persönliches Feng Shui. Ich entblöße mich sozusagen Ihnen gegenüber indem ich mein Innerstes nach außen kehre. Sie finden meinen personifizierten Raum.</p>
<p>Dadurch, dass bei einem Feng Shui-Raumkonzept der Mensch im Vordergrund steht, ist jeder Raum – ob privat oder geschäftlich &#8211; immer individueller als ein Raum, der ohne Feng Shui entsteht, weil er seinen Bewohner reflektiert. Natürlich darf man unter Feng Shui nicht das hängen von Klangspielen oder Kristallen in dafür benannte Ecken verstehen. Es geht um die Analyse der Person und um die Anwendung der für diese Person förderlichen Formen, Farben und Materialien. Die Quintessenz aller Erfahrungen ist wohl: Gute Architektur impliziert immer gutes Feng Shui!<br />
Wenn ein Architekt auf die Bedürfnisse des Menschen eingeht und die Fähigkeit besitzt, den Ort mit seinen Energien zu erspüren und wahrzunehmen, so wird es ihm auch gelingen, einen „Raum“ zu schaffen, in dem der Mensch sich regenerativ entwickeln kann. Kennen wir nicht alle so genannte repräsentative Gebäudehüllen in denen der Mensch keine Rolle zu spielen scheint? Stahltürme, Glaskästen hoch technisiert? Verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich verehre und bewundere meine „großen“ Kollegen. Nur, manchmal fehlt mir der Mensch im Kunstwerk. Dabei wäre die Verbindung Mensch und Kunstwerk anhand von Feng Shui-Maßnahmen leicht herzustellen. Ich betrachte Feng Shui als wichtiges zusätzliches Regelwerk für die Architektur.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von michael konstabel zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-17</link>
		<dc:creator>michael konstabel</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 16:57:38 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-17</guid>
		<description>die idee finde ich schön, da musste ich schmunzeln. ich hatte viele zimmer, aber das ist Vergangenheit. ich habe gemerkt, dass es einen Schnitt gibt.

als ich 10 war oder so, habe ich mit meinem bruder ein zimmer geteilt, das war alleine 12 qm. wir hatten jeder einen schreibtisch und einen sessel, den man nachts zum bett ausklappen konnte. dann hatten wir noch ein tonband. wir beide haben oft musik aus dem radio aufgenommen. an die jahre kann ich mich noch erinnern, ich hatte nicht das gefühl, das ich mehr Platz brauchte.

gut, in der wohnung davor, als ich noch nicht zur schule ging, hatten wir ein doppelstockbett, und trotzdem jeder seinen schreibtisch. viel größer war das zimmer auch nicht. in dieser zeit hat man nicht diese privatsphäre, diesen freiraum. gut, jetzt brauche ich einen eigenen raum.

einen alten schreibtisch habe ich von meinem opa. den wollte ich immer haben. der sah so wichtig aus. aber jetzt will ich ihn loswerden. er ist so gut wie leer und wird verbrannt. möbel überleben sich auch, irgendwann will man die möbel einfach nicht mehr haben. 

hier entsteht die installation des raums aus dem gefühl heraus, weil ich mich damit befasst habe, dass andere Leute es irgendwie werden erleben. was will ich für andere leute hier herstellen? ich glaube, aus meiner überlegung heraus ist das ein sehr persönlicher raum, weil in diesem raum dann später nichts außer der betrachter selber sein wird ... und ein stuhl und diese bilder. die bilder sind auch dinge. das einzige, worauf man zugriff hat, ist das optische, wohlmöglich auch das akustische, weil der lärm nicht zu unterdrücken ist. je weniger dinge im angebot sind, desto geringer ist die ablenkung. also ist jede person, wohlmöglich ein bisschen mehr gefordert, auch sich selber wahrzunehmen.

er ist sehr hell, angenehm, er bietet durch die bildmotive auch keine handgriffsmöglichkeiten. es ist eine sehr gehobene möbelsituation. teuere möbel und von daher, vielleicht im doppelten sinne, ein traum: die man sich nicht leisten kann und in dem fall kann man sie nicht anfassen....
es ist viel simuliert, natürlich... man kommt aber nicht in diesem raum, man kommt nicht an diesem tisch, sondern man kann sich davor aufhalten und deswegen habe ich auch den raum „vor-raum zum nach-denken“ genannt. eigentlich ist er auch ein neu geschaffener raum, in der funktion ein bisschen vergleichbar mit den ruheräumen nach der sauna, wo man sich hinlegt und die augen zumacht. zeitlich geht es hier umgekehrt. das ist ein „vor-raum“. das ist das einzige spielerei, die ich mir noch erlaube, das ich dem besucher ein bisschen auf dem weg gebe. die ganze ablenkung, denke ich, geht ins atmen oder ins denken oder ins entspannen.

ein stuhl ist entspannter als stehen. die entfernung zur wand ist auch noch mal entscheidend - wie man die Bilder wahrnimmt. das sind keine gestochen scharfen reproduktion, das ist technisch in dem fall nicht möglich. also wenn man sehr dicht dran geht, sieht man wie sie hergestellt sind, aber wenn man in der mitte sitzt, schiebt das auge aus der entfernung alle bildpunkte sozusagen zusammen, als wäre das eine ganze fläche.

für mich hat das eher was mit der lebenseinstellung zu tun. und wenn ich jetzt wieder zu diesem nachdenken komme, ist das ein wunsch zur klarheit. eben diese lebenseinstellung bringe ich mit, die wünsche ich mir natürlich bei der arbeit, egal welche arbeit ich mache. und gerade eben, dass so wenige dinge vorhanden sind, ist auch eine klammer dafür
ich wünsche mir, dass sich der Besucher in diesem Raum wohlfühlt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>die idee finde ich schön, da musste ich schmunzeln. ich hatte viele zimmer, aber das ist Vergangenheit. ich habe gemerkt, dass es einen Schnitt gibt.</p>
<p>als ich 10 war oder so, habe ich mit meinem bruder ein zimmer geteilt, das war alleine 12 qm. wir hatten jeder einen schreibtisch und einen sessel, den man nachts zum bett ausklappen konnte. dann hatten wir noch ein tonband. wir beide haben oft musik aus dem radio aufgenommen. an die jahre kann ich mich noch erinnern, ich hatte nicht das gefühl, das ich mehr Platz brauchte.</p>
<p>gut, in der wohnung davor, als ich noch nicht zur schule ging, hatten wir ein doppelstockbett, und trotzdem jeder seinen schreibtisch. viel größer war das zimmer auch nicht. in dieser zeit hat man nicht diese privatsphäre, diesen freiraum. gut, jetzt brauche ich einen eigenen raum.</p>
<p>einen alten schreibtisch habe ich von meinem opa. den wollte ich immer haben. der sah so wichtig aus. aber jetzt will ich ihn loswerden. er ist so gut wie leer und wird verbrannt. möbel überleben sich auch, irgendwann will man die möbel einfach nicht mehr haben. </p>
<p>hier entsteht die installation des raums aus dem gefühl heraus, weil ich mich damit befasst habe, dass andere Leute es irgendwie werden erleben. was will ich für andere leute hier herstellen? ich glaube, aus meiner überlegung heraus ist das ein sehr persönlicher raum, weil in diesem raum dann später nichts außer der betrachter selber sein wird &#8230; und ein stuhl und diese bilder. die bilder sind auch dinge. das einzige, worauf man zugriff hat, ist das optische, wohlmöglich auch das akustische, weil der lärm nicht zu unterdrücken ist. je weniger dinge im angebot sind, desto geringer ist die ablenkung. also ist jede person, wohlmöglich ein bisschen mehr gefordert, auch sich selber wahrzunehmen.</p>
<p>er ist sehr hell, angenehm, er bietet durch die bildmotive auch keine handgriffsmöglichkeiten. es ist eine sehr gehobene möbelsituation. teuere möbel und von daher, vielleicht im doppelten sinne, ein traum: die man sich nicht leisten kann und in dem fall kann man sie nicht anfassen&#8230;.<br />
es ist viel simuliert, natürlich&#8230; man kommt aber nicht in diesem raum, man kommt nicht an diesem tisch, sondern man kann sich davor aufhalten und deswegen habe ich auch den raum „vor-raum zum nach-denken“ genannt. eigentlich ist er auch ein neu geschaffener raum, in der funktion ein bisschen vergleichbar mit den ruheräumen nach der sauna, wo man sich hinlegt und die augen zumacht. zeitlich geht es hier umgekehrt. das ist ein „vor-raum“. das ist das einzige spielerei, die ich mir noch erlaube, das ich dem besucher ein bisschen auf dem weg gebe. die ganze ablenkung, denke ich, geht ins atmen oder ins denken oder ins entspannen.</p>
<p>ein stuhl ist entspannter als stehen. die entfernung zur wand ist auch noch mal entscheidend &#8211; wie man die Bilder wahrnimmt. das sind keine gestochen scharfen reproduktion, das ist technisch in dem fall nicht möglich. also wenn man sehr dicht dran geht, sieht man wie sie hergestellt sind, aber wenn man in der mitte sitzt, schiebt das auge aus der entfernung alle bildpunkte sozusagen zusammen, als wäre das eine ganze fläche.</p>
<p>für mich hat das eher was mit der lebenseinstellung zu tun. und wenn ich jetzt wieder zu diesem nachdenken komme, ist das ein wunsch zur klarheit. eben diese lebenseinstellung bringe ich mit, die wünsche ich mir natürlich bei der arbeit, egal welche arbeit ich mache. und gerade eben, dass so wenige dinge vorhanden sind, ist auch eine klammer dafür<br />
ich wünsche mir, dass sich der Besucher in diesem Raum wohlfühlt.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Patrick Jambon zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-16</link>
		<dc:creator>Patrick Jambon</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 16:46:27 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-16</guid>
		<description>Ich mache mir Gedanken über die ehemaligen Mitarbeiter dieser bankrotten bank. was ist aus denen geworden... sind sie jetzt vielleicht arbeitslos? obdachlos? wie können sie jetzt überleben? Das wäre dann also so eine Möglichkeit, eine Möglichkeit aus Büroteilen (wie aus diesen Floppydisks: einen Arbeitsplatz zu schaffen, aber einen mobilen Arbeitsplatz, so dass sie dann weiter arbeiten können. Er ist mobil, flexibler, und gleichzeitig könnten sie drinnen wohnen.
Ich versetze mich in die Rolle, praktisch. Ich probiere aus, was es bedeutet. 
Ich wollte mehr ein Iglu. Es geht hier mehr um Nomadentum, also die Nomaden, die sich bewegen und immer sehr wenig Geld brauchen, weil sie dahin gehen, wo etwas vorhanden ist.
Die Trennung zwischen drinnen und draußen ist noch da, aber sie ist nicht so stark wie bei einer Wohnung. sie ist so prekär wie bei einem Zelt.
Aber so ein Haus hat wiederum Vorteile, weil es flexibel ist, mobil, du kannst es mitnehmen. 
Das hat auch einen Notwert, denn es hat diese Floppydisks, die wie eine Körpererweiterung funktionieren oder Speichererweiterung. Auf diese Weise kann man auch Informationen von draußen speichern. So eine Art Gedächtniserweiterung.

--------------------------
die verknüpfbarkeit von imagination und realität wird von patrick jambon untersucht. das absurde der existenz ist ihm bekannt; mit einem nonchalanten lächeln bewegt er sich in einer welt ständiger (raum)metamorphosen. die ironische verfremdung und umwertung der utensilien des alltäglichen lebens ist die künstlerische grundlage für die gestaltung der requisiten und attribute, derer sich der künstler bedient.
Die Lebensformen der Utopie scheinen geklont, Produkte der Bioinformatik, extraterrestrisch, androgyn und von einer gleichgültigen Seeligkeit erfüllt. Menschlichkeit und Heim erscheinen als ein verunglückter Witz.

zur vernissage zeigt jambon eine haus-kreation mit datenträgermaterial. gleich einer schuppigen rüstung bedeckten 3,5-zoll-disketten seinen körper. eine struktur aus kunststoffleisten, ebenfalls mit disketten besetzt, umgab den körper. diese struktur stand im raum, offen für jeden, der sich hineinzwängen wollte.
(michael voets, kunstraum düsseldorf)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mache mir Gedanken über die ehemaligen Mitarbeiter dieser bankrotten bank. was ist aus denen geworden&#8230; sind sie jetzt vielleicht arbeitslos? obdachlos? wie können sie jetzt überleben? Das wäre dann also so eine Möglichkeit, eine Möglichkeit aus Büroteilen (wie aus diesen Floppydisks: einen Arbeitsplatz zu schaffen, aber einen mobilen Arbeitsplatz, so dass sie dann weiter arbeiten können. Er ist mobil, flexibler, und gleichzeitig könnten sie drinnen wohnen.<br />
Ich versetze mich in die Rolle, praktisch. Ich probiere aus, was es bedeutet.<br />
Ich wollte mehr ein Iglu. Es geht hier mehr um Nomadentum, also die Nomaden, die sich bewegen und immer sehr wenig Geld brauchen, weil sie dahin gehen, wo etwas vorhanden ist.<br />
Die Trennung zwischen drinnen und draußen ist noch da, aber sie ist nicht so stark wie bei einer Wohnung. sie ist so prekär wie bei einem Zelt.<br />
Aber so ein Haus hat wiederum Vorteile, weil es flexibel ist, mobil, du kannst es mitnehmen.<br />
Das hat auch einen Notwert, denn es hat diese Floppydisks, die wie eine Körpererweiterung funktionieren oder Speichererweiterung. Auf diese Weise kann man auch Informationen von draußen speichern. So eine Art Gedächtniserweiterung.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br />
die verknüpfbarkeit von imagination und realität wird von patrick jambon untersucht. das absurde der existenz ist ihm bekannt; mit einem nonchalanten lächeln bewegt er sich in einer welt ständiger (raum)metamorphosen. die ironische verfremdung und umwertung der utensilien des alltäglichen lebens ist die künstlerische grundlage für die gestaltung der requisiten und attribute, derer sich der künstler bedient.<br />
Die Lebensformen der Utopie scheinen geklont, Produkte der Bioinformatik, extraterrestrisch, androgyn und von einer gleichgültigen Seeligkeit erfüllt. Menschlichkeit und Heim erscheinen als ein verunglückter Witz.</p>
<p>zur vernissage zeigt jambon eine haus-kreation mit datenträgermaterial. gleich einer schuppigen rüstung bedeckten 3,5-zoll-disketten seinen körper. eine struktur aus kunststoffleisten, ebenfalls mit disketten besetzt, umgab den körper. diese struktur stand im raum, offen für jeden, der sich hineinzwängen wollte.<br />
(michael voets, kunstraum düsseldorf)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von amit epstein zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-15</link>
		<dc:creator>amit epstein</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 16:41:27 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-15</guid>
		<description>es ist ja bekannt, dass räume unsere soziale identität unser ganzes leben lang mitformen, dadurch dass sie gefühle, werte und normen ausdrücken. unsere soziale identität wird zuerst durch einen ort beeinflusst, dessen einrichtung wir nicht selbst ausgewählt haben. 

was ich sagen kann ist, dass es zwei häuser gibt, die mich am meisten beeinflusst haben. das eine war mein elternhaus. der große einfluss dieses hauses war eigentlich ein anti-einfluss. irgendwo im hinterkopf weiß ich, dass ich nichts aus diesem haus jemals haben will, weil meine eltern in allesn dingen extrem modern und haben alles alle paar jahren gewechselt. ich würde es nicht minimalismus nennen: eigentlich, in den 70ern hatten sie diese runden dinge und dann in den 80ern diese samtsessel mit farbigen dingen und in den 90ern hatten sie diese skulpturen. das andere haus, dass mich sehr stark beeinflusst hat war das haus meiner großeltern, das das ganze gegenteil war.
das china-porzellan-set, die umgebung, atmosphäre war sehr vornehm, europäisch, bürgerlich, sehr anders von dem draußen, von israel. alles war sehr dunkel innen, es kam kein licht durch, alles mit vorhängen und schweren möbeln. die tapete und das sofa in grün, braun und beige. in dem anderen zimmer, dem kinderzimmer, war die tapete pink mit blumen bedruckt und mit pfirsichfarbenen möbeln aus marmorimitat. es war so als hätte jeder raum sein eigenes leben, aber alle zusammen hatten nichts miteinander. wogegen mein elternhaus war wie: “oh, das ist neu! das müssen wir haben.” ohne irgendeine verbindung zum vorhergehenden. es war eklektisch auf eine schlechte art.
ich würde sagen, dass ich heute ein eklektischer mensch bin, aber auf jeden fall auf andere art: mir ist es wichtig, dass dinge mir etwas bedeuten und ich wähle was ich für mich selbst will und nicht aufgrund äußerer einflüsse.

also, in meiner wohnung in tel aviv habe ich einige sachen von meiner großmutter: geschirr, möbel, stoffe und andere dinge, kleine objekte, aber ich habe nichts nach berlin mitgenommen.

in meinem ausstellungraum werde ich ein bild von meiner großmutter und meinem großvater aufhängen. ich werde sie rahmen, weil ich etwas machen wollte, das ich schon lange vorhatte und das ich machen muss – eine art gesellschaftssalon in berlin zu haben. meine großeltern kamen aus familien, die gesellschaftlich sehr angagiert waren. bevor sie europa verlassen mussten, veranstalteten sie intellektuelle und kulturelle treffen mit ihren freunden. sie waren leidenschaftliche vertreter der europäischen identität und ideen. 
seit ich hier bin, habe ich einige menschen getroffen, mit denen ich diese art salon beginnen würde. das ist, das ich wirklich machen möchte: eine bedeutende bühne für neue ideen. 
im grunde gibt es in meinem ausstellungsraum zwei zimmer, ein großes und ein kleines. das kleine, dachte ich, würde ich als kleinen erinnerungsraum nutzen, den ich schwarz färben werde und wo ich die bilder meiner großeltern anbringe.
der ausstellungsraum heißt “noblesse oblige”, das bedeutet, dass du etwas tun musst, nur weil du bist, wer du bist.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>es ist ja bekannt, dass räume unsere soziale identität unser ganzes leben lang mitformen, dadurch dass sie gefühle, werte und normen ausdrücken. unsere soziale identität wird zuerst durch einen ort beeinflusst, dessen einrichtung wir nicht selbst ausgewählt haben. </p>
<p>was ich sagen kann ist, dass es zwei häuser gibt, die mich am meisten beeinflusst haben. das eine war mein elternhaus. der große einfluss dieses hauses war eigentlich ein anti-einfluss. irgendwo im hinterkopf weiß ich, dass ich nichts aus diesem haus jemals haben will, weil meine eltern in allesn dingen extrem modern und haben alles alle paar jahren gewechselt. ich würde es nicht minimalismus nennen: eigentlich, in den 70ern hatten sie diese runden dinge und dann in den 80ern diese samtsessel mit farbigen dingen und in den 90ern hatten sie diese skulpturen. das andere haus, dass mich sehr stark beeinflusst hat war das haus meiner großeltern, das das ganze gegenteil war.<br />
das china-porzellan-set, die umgebung, atmosphäre war sehr vornehm, europäisch, bürgerlich, sehr anders von dem draußen, von israel. alles war sehr dunkel innen, es kam kein licht durch, alles mit vorhängen und schweren möbeln. die tapete und das sofa in grün, braun und beige. in dem anderen zimmer, dem kinderzimmer, war die tapete pink mit blumen bedruckt und mit pfirsichfarbenen möbeln aus marmorimitat. es war so als hätte jeder raum sein eigenes leben, aber alle zusammen hatten nichts miteinander. wogegen mein elternhaus war wie: “oh, das ist neu! das müssen wir haben.” ohne irgendeine verbindung zum vorhergehenden. es war eklektisch auf eine schlechte art.<br />
ich würde sagen, dass ich heute ein eklektischer mensch bin, aber auf jeden fall auf andere art: mir ist es wichtig, dass dinge mir etwas bedeuten und ich wähle was ich für mich selbst will und nicht aufgrund äußerer einflüsse.</p>
<p>also, in meiner wohnung in tel aviv habe ich einige sachen von meiner großmutter: geschirr, möbel, stoffe und andere dinge, kleine objekte, aber ich habe nichts nach berlin mitgenommen.</p>
<p>in meinem ausstellungraum werde ich ein bild von meiner großmutter und meinem großvater aufhängen. ich werde sie rahmen, weil ich etwas machen wollte, das ich schon lange vorhatte und das ich machen muss – eine art gesellschaftssalon in berlin zu haben. meine großeltern kamen aus familien, die gesellschaftlich sehr angagiert waren. bevor sie europa verlassen mussten, veranstalteten sie intellektuelle und kulturelle treffen mit ihren freunden. sie waren leidenschaftliche vertreter der europäischen identität und ideen.<br />
seit ich hier bin, habe ich einige menschen getroffen, mit denen ich diese art salon beginnen würde. das ist, das ich wirklich machen möchte: eine bedeutende bühne für neue ideen.<br />
im grunde gibt es in meinem ausstellungsraum zwei zimmer, ein großes und ein kleines. das kleine, dachte ich, würde ich als kleinen erinnerungsraum nutzen, den ich schwarz färben werde und wo ich die bilder meiner großeltern anbringe.<br />
der ausstellungsraum heißt “noblesse oblige”, das bedeutet, dass du etwas tun musst, nur weil du bist, wer du bist.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von jim avignon zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-14</link>
		<dc:creator>jim avignon</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 16:35:51 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-14</guid>
		<description>was ist “a place to remember“?

Ich kann dir vielleicht erzählen, wie ich darauf gekommen bin, diese Idee zu entwickeln: Zuerst hatte ich keine konkrete Idee, weil ich, glaub ich, jemand bin, der sich am meisten zu Hause fühlt, wenn er unterwegs ist, d.h. wenn ich in einen Zug steige und irgendwohin fahre, habe ich das Gefühl, ich bin im Zug gerade zu Hause. Also, die Bewegung, die Veränderung gefällt mir, ich fühle mich darin wohl. Dagegen: wenn ich wirklich länger zu Hause bin, werde ich meistens unruhig. 
Ich hatte zuerst so eine Idee, einen Raum zu machen, der im Prinzip das „zu Hause über sein“ thematisiert; aber ich hatte keine richtige Idee, wie man es technisch lösen soll. 

Dann war ich jetzt im Urlaub auf den Kanaren und es gibt dort eine Tradition dass, wenn jemand stirbt, werden dort Blätter mit einer Todesanzeige, als Kopie, an Stellen oder eine Bar gelegt mit einem Text darüber, darauf ein Stein zum durchlesen. Man sieht die überall auf der Insel: diese Zettel mit Stein.
als ich mit Auto gefahren bin und irgendwo in einer Feldnische hielt, gab es so einen Stuhl mit so einem alten Schirm. und da lagen auch diese Blättern zum lesen. da kam mir die Idee, dass man sich einfach in einer Landschaft hinsetzt und an jemanden denkt, der vielleicht da war. und ich dachte, dass es ganz geil wäre, wenn meine erinnerungen zu hause wären, wenn ich alt bin. dass ich einfach mich zu Hause fühle, wenn ich Ruhe habe über die Sachen nachzudenken, die mir passiert sind oder Musik höre, die ich irgendwann mal mochte oder mir Sachen angucke, die mir irgendwann mal was bedeutet haben.
Ich dachte, ich würde gerne einen Raum machen, der einlädt, sich an Dinge zu erinnern, über sich selbst nachzudenken, über Sache die einem selber passiert sind.

„A place to remember“ ist ein Ort, an dem man sich natürlich erinnern kann; aber man kann sich auch wiederum an Orte erinnern, an denen man war oder die es vielleicht nicht mehr gibt.

Ich habe mich natürlich gefragt, in wie weit ist das jetzt wirklich ein persönlicher Raum. aber es gibt zumindest zwei Erklärungen, die ihn persönlich machen.
Ich brauche mir zu Hause nicht unbedingt eine persönliche Welt einrichten: ich fühle mich in einem kleinen, schrottigen Hotelzimmer wohl, z.B. wenn ich Musik habe, die ich gerne mag oder wenn ich ein Buch habe, das ich gerne lese... das persönliche bei mir ist immateriell und ich habe als Kind immer tausende von Sachen gesammelt. Ich habe angefangen von Zuckertüten, wenn ich ein Kaffee trinken war, alte Briefe und Postkarten, die ich bekommen habe. Ich habe alte Postkarten gesammelt.

Die Wohnung, in der Wir gelebt haben, war zwar ein Haus mit drei Stockwerken. mein Zimmer war im weitesten entfernt von meinen Eltern, die haben oben gewohnt und ich war im Keller. es gab neben meinem Zimmer noch zwei weitere Kellerräume, die Ich so langsam zu meinen Lagerräumen gemacht habe. Die sind eigentlich noch voll mit Sachen, die ich als Kind dort hingestellt und gesammelt habe.
Es ist so, dass ich gerne Sachen aufhebe, an denen Erinnerungen hängen.

In diesem Ausstellungsraum geht es mir nicht so sehr darum, dass ich diese Sachen jetzt nach Berlin hole und ausstelle, aber es geht mir mehr darum: wenn ich zu meiner Mutter fahre und suche ich eine Kleinigkeit, dann entdecke ich Tausend Sachen, die keinen Wert haben, aber an irgendeine Geschichte erinnern. So eine Reise in die Vergangenheit. Ich würde gerne als ideales Ziel sehen, dass Leute sich dahinsetzen und vielleicht Musik hören und in einem Album blättern, vielleicht mit Fotos die ihnen gar nichts sagen, aber an ihre Kindheit erinnern und daran denken.
 
Ich stelle ihn mir ein bisschen so vor, wie im Prinzip eine Art Wartezimmer - nur so ein bisschen gemütlicher eingerichtet. Ich mache verschiedene Sitzecken, vielleicht so kleine Trennwände: man kann sich noch sehen aber bleibt trotzdem ein bisschen für sich und man bekommt ein Alben, wie Fotoalben, aber mit verschieden Dingen, mal mit Zeitungsartikeln, mal mit Fotos, mal mit gepressten Blumen, mal mit Briefmarken, so irgendwelche Sachen, die irgendwann jemand gesammelt hat. Man kann Musik hören, wenn man möchte und vielleicht würde ich einfach so 5-6 verschiedene Erinnerungsszenarien anbieten. Ich hoffe, die Leute nehmen sich die Zeit und setzen sich wirklich 15 Minuten hin und schauen sie sich an. Im Grunde ist es wie eine Art Katalysator, um eigene Gedanken ins Rollen zu bringen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>was ist “a place to remember“?</p>
<p>Ich kann dir vielleicht erzählen, wie ich darauf gekommen bin, diese Idee zu entwickeln: Zuerst hatte ich keine konkrete Idee, weil ich, glaub ich, jemand bin, der sich am meisten zu Hause fühlt, wenn er unterwegs ist, d.h. wenn ich in einen Zug steige und irgendwohin fahre, habe ich das Gefühl, ich bin im Zug gerade zu Hause. Also, die Bewegung, die Veränderung gefällt mir, ich fühle mich darin wohl. Dagegen: wenn ich wirklich länger zu Hause bin, werde ich meistens unruhig.<br />
Ich hatte zuerst so eine Idee, einen Raum zu machen, der im Prinzip das „zu Hause über sein“ thematisiert; aber ich hatte keine richtige Idee, wie man es technisch lösen soll. </p>
<p>Dann war ich jetzt im Urlaub auf den Kanaren und es gibt dort eine Tradition dass, wenn jemand stirbt, werden dort Blätter mit einer Todesanzeige, als Kopie, an Stellen oder eine Bar gelegt mit einem Text darüber, darauf ein Stein zum durchlesen. Man sieht die überall auf der Insel: diese Zettel mit Stein.<br />
als ich mit Auto gefahren bin und irgendwo in einer Feldnische hielt, gab es so einen Stuhl mit so einem alten Schirm. und da lagen auch diese Blättern zum lesen. da kam mir die Idee, dass man sich einfach in einer Landschaft hinsetzt und an jemanden denkt, der vielleicht da war. und ich dachte, dass es ganz geil wäre, wenn meine erinnerungen zu hause wären, wenn ich alt bin. dass ich einfach mich zu Hause fühle, wenn ich Ruhe habe über die Sachen nachzudenken, die mir passiert sind oder Musik höre, die ich irgendwann mal mochte oder mir Sachen angucke, die mir irgendwann mal was bedeutet haben.<br />
Ich dachte, ich würde gerne einen Raum machen, der einlädt, sich an Dinge zu erinnern, über sich selbst nachzudenken, über Sache die einem selber passiert sind.</p>
<p>„A place to remember“ ist ein Ort, an dem man sich natürlich erinnern kann; aber man kann sich auch wiederum an Orte erinnern, an denen man war oder die es vielleicht nicht mehr gibt.</p>
<p>Ich habe mich natürlich gefragt, in wie weit ist das jetzt wirklich ein persönlicher Raum. aber es gibt zumindest zwei Erklärungen, die ihn persönlich machen.<br />
Ich brauche mir zu Hause nicht unbedingt eine persönliche Welt einrichten: ich fühle mich in einem kleinen, schrottigen Hotelzimmer wohl, z.B. wenn ich Musik habe, die ich gerne mag oder wenn ich ein Buch habe, das ich gerne lese&#8230; das persönliche bei mir ist immateriell und ich habe als Kind immer tausende von Sachen gesammelt. Ich habe angefangen von Zuckertüten, wenn ich ein Kaffee trinken war, alte Briefe und Postkarten, die ich bekommen habe. Ich habe alte Postkarten gesammelt.</p>
<p>Die Wohnung, in der Wir gelebt haben, war zwar ein Haus mit drei Stockwerken. mein Zimmer war im weitesten entfernt von meinen Eltern, die haben oben gewohnt und ich war im Keller. es gab neben meinem Zimmer noch zwei weitere Kellerräume, die Ich so langsam zu meinen Lagerräumen gemacht habe. Die sind eigentlich noch voll mit Sachen, die ich als Kind dort hingestellt und gesammelt habe.<br />
Es ist so, dass ich gerne Sachen aufhebe, an denen Erinnerungen hängen.</p>
<p>In diesem Ausstellungsraum geht es mir nicht so sehr darum, dass ich diese Sachen jetzt nach Berlin hole und ausstelle, aber es geht mir mehr darum: wenn ich zu meiner Mutter fahre und suche ich eine Kleinigkeit, dann entdecke ich Tausend Sachen, die keinen Wert haben, aber an irgendeine Geschichte erinnern. So eine Reise in die Vergangenheit. Ich würde gerne als ideales Ziel sehen, dass Leute sich dahinsetzen und vielleicht Musik hören und in einem Album blättern, vielleicht mit Fotos die ihnen gar nichts sagen, aber an ihre Kindheit erinnern und daran denken.</p>
<p>Ich stelle ihn mir ein bisschen so vor, wie im Prinzip eine Art Wartezimmer &#8211; nur so ein bisschen gemütlicher eingerichtet. Ich mache verschiedene Sitzecken, vielleicht so kleine Trennwände: man kann sich noch sehen aber bleibt trotzdem ein bisschen für sich und man bekommt ein Alben, wie Fotoalben, aber mit verschieden Dingen, mal mit Zeitungsartikeln, mal mit Fotos, mal mit gepressten Blumen, mal mit Briefmarken, so irgendwelche Sachen, die irgendwann jemand gesammelt hat. Man kann Musik hören, wenn man möchte und vielleicht würde ich einfach so 5-6 verschiedene Erinnerungsszenarien anbieten. Ich hoffe, die Leute nehmen sich die Zeit und setzen sich wirklich 15 Minuten hin und schauen sie sich an. Im Grunde ist es wie eine Art Katalysator, um eigene Gedanken ins Rollen zu bringen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Jenni Zylka zu Die &#8222;Sprache&#8220; der eigenen vier Wände</title>
		<link>http://papirossa.wordpress.com/2008/11/30/die-sprache-der-eigenen-vier-wande/#comment-13</link>
		<dc:creator>Jenni Zylka</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 16:30:31 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://papirossa.wordpress.com/?p=15#comment-13</guid>
		<description>Der Chamäleon-Effekt
Es gibt viele Gründe dafür, seine Wohnung voll zu stellen: Volle Wohnungen lassen einen auch als Ein-Personen-Haushalt beschäftigt aussehen. Volle Wohnungen spenden Geborgenheit. Volle Wohnungen haben im Dunkeln etwas von einer kleinen Geisterbahn. Volle Wohnungen sind gemütlich. In vollen Wohnungen kann man immer wieder neue, aufregende Wege begehen, neue Schneisen vom Bett zum Kühlschrank und von der Tür zum Tisch schlagen. Volle Wohnungen muss man nicht so oft aufräumen, weil man ohnehin nicht erkennt, ob aufgeräumt ist oder nicht.
Meine Wohnungen sind meistens so voll, dass ich bei jedem Umzug ein paar Freunde verliere. Und sie sind meistens so unaufgeräumt, dass ich wirklich hoffe, meinen letzten Atemzug irgendwann einmal an einer Bushaltestelle oder am Strand zu tun, denn in meine Wohnung passen keine zwei Sanitäter mit Bahre. 
Durch jahrelange Beobachtung habe ich herausfinden können, woran es liegt, dass meine Zimmer immer aussehen wie die von William Kotzwinkles „Fan Man“: Wenn in meiner Wohnung etwas lange genug als Haufen oder auch solo herumliegt, nimmt es die Farbe bzw. Form der Umgebung an und fällt mir nicht mehr auf. Selbst wenn ich wollte, könnte ich es dann nicht mehr wegräumen – ich sehe es nicht mehr! Der zeitliche Rahmen, in dem dieses Phänomen auftritt, ist dabei unterschiedlich: Manche Dinge verschwinden nach Sekunden, andere stören mich noch zwei Wochen, bis sie sich endlich ins Gesamtbild eingefügt haben. Sie sind dann üblicherweise so sehr mit dem Restzimmer vermischt, dass ich sie sogar beim speziellen Suchen nicht mehr ausfindig machen und separieren kann.
Dieses Zimmer soll jenen so genannten Chamäleon-Effekt verdeutlichen: Es gibt, neben den üblichen Wohnaccessoires, auch immer noch die Zeughaufen-Ausführung der Materie. Der/die BesucherIn soll so die Schwierigkeiten nachempfinden können, die ich beim Aufräumen erlebe. Betrachten Sie mein Zimmer doch einfach als ein großes Mimikry-Experiment. Längerfristig hoffe ich natürlich auch auf Verständnis und Toleranz beim nächsten Freundschaftsbesuch. Vielen Dank.
JENNI ZYLKA</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Der Chamäleon-Effekt<br />
Es gibt viele Gründe dafür, seine Wohnung voll zu stellen: Volle Wohnungen lassen einen auch als Ein-Personen-Haushalt beschäftigt aussehen. Volle Wohnungen spenden Geborgenheit. Volle Wohnungen haben im Dunkeln etwas von einer kleinen Geisterbahn. Volle Wohnungen sind gemütlich. In vollen Wohnungen kann man immer wieder neue, aufregende Wege begehen, neue Schneisen vom Bett zum Kühlschrank und von der Tür zum Tisch schlagen. Volle Wohnungen muss man nicht so oft aufräumen, weil man ohnehin nicht erkennt, ob aufgeräumt ist oder nicht.<br />
Meine Wohnungen sind meistens so voll, dass ich bei jedem Umzug ein paar Freunde verliere. Und sie sind meistens so unaufgeräumt, dass ich wirklich hoffe, meinen letzten Atemzug irgendwann einmal an einer Bushaltestelle oder am Strand zu tun, denn in meine Wohnung passen keine zwei Sanitäter mit Bahre.<br />
Durch jahrelange Beobachtung habe ich herausfinden können, woran es liegt, dass meine Zimmer immer aussehen wie die von William Kotzwinkles „Fan Man“: Wenn in meiner Wohnung etwas lange genug als Haufen oder auch solo herumliegt, nimmt es die Farbe bzw. Form der Umgebung an und fällt mir nicht mehr auf. Selbst wenn ich wollte, könnte ich es dann nicht mehr wegräumen – ich sehe es nicht mehr! Der zeitliche Rahmen, in dem dieses Phänomen auftritt, ist dabei unterschiedlich: Manche Dinge verschwinden nach Sekunden, andere stören mich noch zwei Wochen, bis sie sich endlich ins Gesamtbild eingefügt haben. Sie sind dann üblicherweise so sehr mit dem Restzimmer vermischt, dass ich sie sogar beim speziellen Suchen nicht mehr ausfindig machen und separieren kann.<br />
Dieses Zimmer soll jenen so genannten Chamäleon-Effekt verdeutlichen: Es gibt, neben den üblichen Wohnaccessoires, auch immer noch die Zeughaufen-Ausführung der Materie. Der/die BesucherIn soll so die Schwierigkeiten nachempfinden können, die ich beim Aufräumen erlebe. Betrachten Sie mein Zimmer doch einfach als ein großes Mimikry-Experiment. Längerfristig hoffe ich natürlich auch auf Verständnis und Toleranz beim nächsten Freundschaftsbesuch. Vielen Dank.<br />
JENNI ZYLKA</p>
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